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Elfengeschichten


Frühling
im Zauberwald
Der
Zauberwald erwacht aus seinem
langen Winterschlaf.Die Bäume
streckten ihre müden Äste der
Frühlingssonne entgegen. Das tut
ihnen gut. Neugierig blicken die
ersten Blattknospen aus den Spitzen
der Zweige hervor. Auch auf dem
Waldboden ist was im Gange. Ganz
langsam, aber deutlich zu sehen,
schieben sich immer mehr grüne
Triebe durch den dunklen Boden
und drücken das trockene Laub
beiseite. Die ersten Frühlingsboten,die
Schneeglöckchen, erstrahlen in
hellem Weiss.Auch die Tierwelt
wird wieder munter. Die Zugvögel
sind aus dem Süden zurück gekehrt,
bauen eifrig ihre Nester und stimmen
ein wunderschönes Vogelkonzert
an. Der Igel blinzelt vorsichtig
in die Sonne. Er hat den Winter
in einem Berg von Zweigen und
Blättern verbracht. Nun ist er
nicht sicher, ob er wirklich heraus
kommen soll. Nach dem langen Winterschlaf
ist er noch sehr träge. Aber nicht
nur der Igel, auch die Wichtel,
Trolle und Elfen begrüßen den
Frühling erwartungsvoll. Während
den zotteligen Trollen der Winter
nichts ausmacht, haben die meisten
Wichtel und Elfen ihn in einer
warmen Höhle tief unter der Erde
verbracht. Die großen nackten
Ohren der Wichtel sind genau so
gegen die Kälte empfindlich, wie
die zarten Flügel der Elfen. So
müssen sie also im Winter Schutz
vor der Kälte suchen. Sie haben
die meiste Zeit verschlafen. Denn
es ist ganz schön langweilig,
den ganzen Winter hindurch nicht
hinaus zu können. Doch jetzt ist
es endlich so weit. Die Wichtel
schlagen Purzelbäume und necken
die trägen Trolle. Die Elfen und
Feen versammeln sich auf der kleinen
Lichtung am Bach. Sie singen Lieder
und putzen ihre schillernden Flügel.
Als alle fertig sind, tanzen sie
den Elfentanz im ersten warmen
Sonnenschein. Sie tanzen schöner
als je zuvor, denn sie sind froh,
sich wieder an der frischen Luft
bewegen zu können. Angesteckt
von der guten Laune der Waldbewohner
recken immer mehr Frühlingsboten
ihre Stengel und Blüten der Sonne
entgegen. Die kleine Lichtung
wird von Tag zu Tag farbenprächtiger.
Zuerst sprießen Krokusse in gelb
und blau aus der Wiese, gefolgt
von Osterglocken, Buchwindröschen,
Schlüsselblumen, Tulpen und Narzissen.
Jetzt tanzen nicht nur die Feen,
sondern auch die ersten Insekten
ihren Tanz. Sie fliegen und summen
von Blüte zu Blüte und sammeln
den süßen Blütennektar. Alles
ist friedlich. Sogar die Trolle
legen sich in die Sonne und beobachten
das bunte Treiben der Anderen.
Es scheint, als seien alle glücklich
und zufrieden. Doch was ist das?
Irgendwoher ertönt ein leises
Wimmern. Die Elfen verstummen
und lauschen. Jetzt ist es deutlich
zu hören. Jemand schluchzt und
weint steinerweichend. Nur wer?
Alle sehen sich fragend an. Das
Geräusch kommt vom Bach. Zwei
Wichtel gehen der Sache nach.
Sie suchen das Ufer ab. Doch es
ist niemand zu sehen. "Hier ist
nichts," stellen sie fest und
wollen umkehren, als sie eine
Stimme vernehmen. "Seht ihr. Genau
das ist es ja. Keiner sieht mich.
Ich bin einfach zu klein und unscheinbar."
Die Wichtel blicken sich erstaunt
um und entdecken ein kleines,
blaues Veilchen an der Böschung
des Baches. "Hast du geweint?"
Fragen sie. "Natürlich. Niemand
nimmt mich wahr. Ihr habt mich
auch übersehen. Stimmt's nicht?
Dabei war ich schon viel früher
hier als die anderen Blumen. Gleich
nach den Schneeglöckchen bin ich
erblüht. Aber keiner hat mich
bemerkt. Ach wäre ich doch nur
ein bißchen größer oder heller
oder bunter. Meine zarten violetten
Blüten sind zu klein und zu dunkel.
Ich habe auch viel mehr Blätter
als Blüten. Deshalb beachtet mich
niemand," klagt das Veilchen.
Die Trolle, Wichtel, Feen und
Elfen sind herbei gekommen. Sie
haben alle gehört, was das Veilchen
gesagt hat und schämen sich. Es
ist wahr. Keiner hat das Veilchen
zuvor gesehen. Eine Fee geht zum
Veilchen. "Was können wir tun,
damit du nicht mehr so traurig
bist?" "Du bist doch eine Fee.
Kannst du mich nicht einfach größer
oder schöner machen? So groß wie
eine Tulpe oder so stolz wie die
Narzisse, deren Haupt eine goldgelbe
Krone schmückt? Das würde mir
gefallen." "Es tut mir leid, liebes
Veilchen. Das vermag ich nicht
zu machen. Man soll sich nicht
mit falschen Federn schmücken.
Aber ich habe eine Idee. Größer
oder gar schöner kann ich dich
nicht machen. Es gibt jedoch trotz
alledem eine Möglichkeit dir zu
helfen. Alle sehen die Fee gespannt
an. Die Fee nimmt ihren Zauberstab
und fliegt einige Male um das
Veilchen herum. Dabei verstreut
sie Feenstaub und spricht: "Der
Zauber frischer Frühlingsluft
verleiht dem Veilchen einen Duft.
Das Veilchen duftet wunderbar,
von heute an und immerdar." Dann
setzt die Fee sich neben dem Veilchen
ins weiche Moos und wartet ab,
was geschieht. Und tatsächlich.
Auf einmal erfüllt ein herrlicher
Duft die Luft im Zauberwald. So
einen Duft hatte noch niemand
hier gerochen. Alle recken die
Nasen in den Himmel und schnuppern.
Vor Begeisterung klatschen die
Wichtel in die Hände und die Elfen
tanzen um das Veilchen herum.
Sogar die Trolle, welche von Natur
aus keinen guten Geruch verbreiten,
erfreuen sich an dem Duft des
Veilchens. Jetzt übersieht niemand
das Veilchen mehr. Allerdings
kommt es schon gelegentlich vor,
daß man es erst riecht, bevor
man es sieht. Aber das macht dem
kleinen Veilchen nichts mehr aus.
Es ist stolz und zufrieden. So
geht alles im Zauberwald wieder
seinen gewohnten Gang. Nur eines
sei hier noch erwähnt. Auch dem
Menschen blieb der Duft der Veilchen
nicht verborgen. Sie nutzten jede
Gelegenheit, den Duft mit nach
Hause zu nehmen und pflückten
die Veilchen ,wo immer sie diese
entdeckten. So kommt es, daß es
nicht mehr viele von ihnen gibt.
Sie verstecken sich zwischen ihrem
üppigen grünen Blätterkleid und
wünschten manchmal, sie würden
nicht so herrlich duften. Dann
blieben sie unentdeckt. Wenn ihr
also einmal ein Veilchen entdeckt,
dann erfreut euch an seinem Duft
und laßt es stehen. Vielleicht
sind ja die Elfen und Wichtel
in der Nähe um es zu schützen.
Also paßt gut auf, wenn ihr im
Frühling im Zauberwald spazieren
geht.
P.Eitner-
Text

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